Geboren 1952 in Köln, bin ich seit über 45 Jahren in Sachen Gestaltung unterwegs – angefangen beim Packungsdesign über klassische Printproduktionen wie Broschüren und Anzeigen bis hin zu Messeständen. So unterschiedlich die Projekte auch sind, eines war und ist das oberste Credo: Klare, reduktive Wort-Bild-Sprache im Sinne des Produktes oder des Themas.

Seit über 30 Jahren lebe, arbeitete und wohne ich in München.
Als Partner und Teilhaber der F&H Werbeagentur GmbH/F&H Porter Novelli zeichnete ich in meiner aktiven Zeit bis August 2017 als Creative Director für die visuelle Linie der Agentur verantwortlich, Kernkompetenz: visuelle Konzeption.


Malen als Passion

Zuerst als Ausgleich zum Alltagsstress gedacht, wurde die freie Malerei mehr und mehr zur eigentlichen Berufung. Die gründliche Ausbildung zum Grafiker und die anschließende Tournee durch diverse Kölner Agenturen sorgten für eine fundierte Basis für Job und Hobby. Beides geht ineinander über. Themen werden „verarbeitet“, komplexe Jobs thematisiert. Dabei sind die Visualisierungen nie nur dekorativ, sondern immer auch Spiegelungen des emotionalen Gefühlslebens. Das kommt vor allem in der Farbgebung stark zum Ausdruck.

Materialien sind neben Acryl-, Wasser- und Dispersionsfarben auch Kohle, Kreide und Buntstift. Jede Form der Collage mit Karton, Farbpapier und anderen Stoffen kommt zum Einsatz. Die bevorzugte Technik ist die Schablonierung, mit der Texte und Grafiken dramatisiert werden.

In meiner Konzept-Ausstellung "Borderland" – was soviel bedeutet wie Grenzbereich/Grenzland – versuche ich, mit der Zusammenstellung der Bilder die Gradwanderung zwischen visuell kommerzieller "Gebrauchsgrafik" und freier Malerei deutlich zu machen.

 

Als Gestalter bewege ich mich seit über 40 Jahren in dieser "Zone". Die meisten Arbeiten basieren auf einem konzeptionellen Ansatz, die Inspiration wird in der Ausführung ergänzt durch Spontanität und Emotionalität.


Concepts, Scribbles, Layouts

50 Jahre visueller und konzeptioneller Output – dokumentiert in schwarz-weiss, Farbe, auf DIN A4-Blättern und größeren Formaten – vieles davon für den Papierkorb. Leider. Manch ein Entwurf, für den ich mich als Gestalter begeisterte, konnte die kritische Hürde innerhalb des Teams nicht überwinden. Dennoch: die meisten Layouts schafften es bis zur Kunden-Präsentation und nicht wenige davon wurden auch realisiert.

Anzeigen, Broschüren, Salesfolder, Großflächenplakate, Poster, Displays, Messestände u.v.m. wurden in der Konzeptphase zuerst in Scribbleform zu Papier gebracht und danach mit AD-Markern farbig layoutet. Im "vorigen Jahrhundert" passierte das alles noch komplett in Handarbeit. Alle Elemente wurden gezeichnet, geklebt und auf Präsentationskartons kaschiert. Mit der Zeit kamen technische Hilfsmittel wie Fotokopierer oder (Polaroid-) Kameras zum Einsatz, die Layouts wurden dank Computersoftware immer perfekter, ließen aber auch weniger Raum für Interpretationen zu. 

Heute ist der Unterschied zwischen Layout und Print kaum noch erkennbar, selbst Copy-Texte sind oft ausformuliert. Die Beispiele oben zeigen, wie Ideen in Scribbleform Gestalt annahmen und noch nicht per Mausklick generiert wurden.

Westermann's Rache

Passend zu den Layouts/Scribbles das "Handwerkszeug" der Wahl dazu: ein AD-Marker-Sortiment – drehbar, alle Farbschattierungen griffbereit – das High End Tool der "Mad Men" Zeit. Damals tagtäglich im Einsatz – später als die Macs mit den Creative-Programmen die Layout-Arbeit übernahmen – nur noch spärlich eingesetzt,  habe ich dieses Kleinod gehütet wie einen Schatz. Und nun endlich auch dank eines Acyrl-Kubus konserviert, geschützt gegen Staub oder "Vandalismus". 

 

Warum also diese eigenartige Bezeichnung? Das kam so. Als junger Grafiker gehörte ich zum Kreativ-Team einer bekannten Kölner Werbeagentur in der Südstadt. Köln war in Sachen Werbung nicht der Nabel der deutschen Szene, sondern Düsseldorf. Als Kölner hat man bekanntlich eine besondere Beziehung zu dieser kleineren Ansiedlung rheinabwärts. Wie auch immer, eines Tages tauchte aus eben dieser Werbemetropole ein neuer Art Director auf – cool (den Ausdruck gab's noch nicht), Minifahrer, Cowboystiefel, Slimfit BlueJeans, laut, arrogant, älter als ich – kurzum, ich war beeindruckt – jung, wie ich war. Er brachte Flair mit, aber eigentlich war's vor allem heisse Luft. Das merkte ich allerdings erst später. Im Team wuppten wir tolle Präsentationen, oft bis in die frühen Morgenstunden – natürlich ohne Computerunterstützung. Es wurde gezeichnet, geschnitten und geklebt, diverse Kaltgetränke sorgten für teilweise ausgelassene Stimmung – es war eine geile Zeit. 

Aber zurück zum Thema. Ich wechselte die Agentur, der besagte AD folgte mir etwas später. Als erste Handlung bestellte er dieses tolle AD-Drehteil. Er passte aber nicht so gut ins Team und blieb demzufolge nicht lange. Daraufhin übernahm ich die Patenschaft über dieses wichtige Werkzeug. Aber so perfekt, wie es aussah, war es nicht. Beim schnellen Drehen (kam bei engen Terminen oft vor) fielen meist die Stifte aus den Steckbehältern. Zeitaufwändiges Sortieren war die Folge und ab da machte nur noch die "Legende" von "Westermann's Rache" die Runde.

Audio-Maschinen

Um den "Sound of Life" (Beitrag weiter unten) in allen Lebenslagen tag-täglich auch zu hören, braucht man Geräte, die in der Lage sind, den jeweiligen Tonträger abspielen zu können. Die musikalische Mobilität begann für mich etwa 1963 mit einem tragbaren Koffer-Plattenspieler von Philips. Die Lautsprecherbox klemmte auf dem Plattenteller, wurde abgenommen, daneben gestellt, Vinylscheibe drauf ... und ab gings. Als Weihnachtsgeschenk – zusammen mit 2 Singles der Beatles und Tony Sheridan – war das für mich die Offenbarung und katapultierte mich in die Beat-Aera meiner Jugend. Durch die Entwicklung unterschiedlicher Tonträgern (Schallplatte-Tonband-MC-CD-mp3) änderten sich in den darauf folgenden 50 Jahren dementsprechend auch die Abspielgeräte – sie wurden immer kleiner, kompakter und somit noch mobiler. 

Ein besonderes Erlebnis war für mich 1981 die erste Begegnung mit dem legendären Sony-Walkman. Auf der Rückreise von Paros nach Athen auf einer der griechischen Fähren summte mein Sitznachbar verträumt vor sich hin. 2 Knöpfe in den Ohren und ein kleines silbernes Gerät in der Hand – was war das denn? Ich durfte mir die Stöpsel schnappen, reinhören, und war hin & weg. Das Teil musste ich auch haben. Kaum gelandet, kaufte ich mir das Wunderding im nächsten Hifi-Laden. Es begleitete mich in unterschiedlichsten Variationen bis zum nächsten revolutionären Step: dem CD-Walkman. 

Alles nostalgisch-Haptische war vorbei, als um die Jahrhundertwende das mp3-Format den Markt eroberte. All-in-one war ab da die Devise. Wichtig war nur die Speicherkapazität des Players. Müßig zu erwähnen, dass durch die enorme Daten-Komprimierung das Klangvolumen ziemlich auf der Strecke bleibt. So schön und bequem es ist, seine komplette Musiksammlung in der Jackentasche bei sich tragen und jederzeit abrufen zu können, so kalt und emotionslos fühlt sich diese "Sammlung" an. Aber auch dieses Format ist inzwischen obsolet. Bezahl-Portale wie iTunes, Netflix, Amazon u.ä. bieten mit ihren Streamingdiensten Musik online an – direkt auf die Smartphones der User. Auswahl nahezu unbegrenzt.

Trotz aller Digitalisierung möchte ich zumindest die CD im Regal haben, nicht nur die puren Musikdaten auf der Festplatte. 

Eine Auswahl meiner wichtigsten "Audiomaschinen" ist oben im Frame zu sehen. In Verbindung mit der jeweiligen Zeit und dem damaligen Sound habe ich die Entwicklung bis hin zum knallig-bunten MC-Karaoke-Player meiner Tochter nacherlebbar illustriert. 

Bilder. Schauen!

Über vierzig Jahre unterwegs – und die Kamera immer griffbereit. Ob mit Kodak Instamatik, Polaroid, Pentax Spiegelreflex, Canon Ixus im APS-Format oder digital – auf Papier, Dia oder CD – alles optisch Interessante wurde gesehen und festgehalten. Banale Dinge, an denen man im Alltag oft achtlos vorübergeht, bekommen durch die Fokussierung durch den Sucher eine völlig andere Ästhetik. Dementsprechend verändert sich die visuelle Dramatik.

 

Alle Motive sind "Ready mades". Gestaltet von Natur, Mensch, Zufall oder allen zusammen, liegen- oder stehengelassen und in diesem Zustand "verewigt". Nichts wurde arrangiert, gestylt, manipuliert. Selbst die oft ärgerliche – bei den modernen Techniken automatische – Blitzfunktion kam selten zum Einsatz.

 

Dort, wo es nötig war – bei den älteren Dias fast immer – wurden die Motive digital gesäubert. Dank Photoshop keine Zauberei mehr, nur sehr aufwändig und zeitintensiv. Manche seriellen Konzeptreihen, wie die des Fischerbootfriedhofs auf der Crozon-Halbinsel in der Bretagne, habe ich im Hintergrund flächig nachbearbeitet und den Motiven damit einen artifiziellen Touch verpasst. Darüber hinaus wurde dort, wo es mir sinnvoll erschien, der Himmel im Hintergrund verstärkt.

 

Möglich, dass mir durch die spezielle Sicht der Dinge (der frühere Blick durch den Kamera-Sucher ist ein völlig anderer als der heutige auf das Display einer Digitalkamera) manche "Totalen" entgangen sind. Aber gerade die Fokussierung fasziniert in ihrer Abstraktion noch lange nach dem Momentum der Aufnahme mehr als die "geheimnisfreie" Gesamtansicht.

 

Street-Stills

Meine Ausflüge durch andere Welten dauern meist etwas länger und immer wieder werde ich von meinen Begleitern gefragt "... was fotografierst du denn jetzt schon wieder?" Für Standard-Flanierer ist kein fotowertes Motiv erkennbar. Für mich allerdings schon. Eigenwillige Arrangements von Fensterläden, Blumenkästen, Strom- oder Wasserleitungen u.v.m. bilden perfekt kombinierte "Contemporary Art". Jedes für sich ein starkes grafisches Statement. RS 2017.

Mäuse in der Falle

Wie so Vieles in der IT-Technik werden auch die einst so wichtigen Computer-Mäuse verzichtbarer. Leistungsfähige und hochsensible Touch-Pads, Drawing-Tabs u.ä. übernehmen immer perfekter diese Funktion. 

 

Und so sammelten sich nach jedem Hardware-Update die jeweiligen knuffigen Helferlein – in meinem Fall in einer Acrylbox. Machen sie doch optisch nach wie vor eine gute Figur. Meine "Mouse-Trab" ist ca. 40 x 40 x 40 cm groß und hat noch Raum für weitere Exemplare.

Anagramm für Wera

Das Alter feiert die Erinnerung(en) – das war bei Wera nicht anders und so ploppten auch bei ihr in ihren späten Jahren scheinbar längst Vergessenes oder auch Verdrängtes auf. Vieles oft gehört, blitzte mitunter immer mal wieder mir bis dato Unbekanntes auf. Das war spannend. Ihr beliebtester – und oft zitierter – Spruch lautete "Die Erinnerung ist oft schöner als der kümmerliche Augenblick".

 

Als sie im Alter von 89 starb, wurde es Zeit, ihr ein visuelles "Denkmal" zu setzen. Nichts passte da besser als dieser kleine Satz. Alle, die sie kannten, werden ihn immer mit ihr in Verbindung bringen. 

 

Anagramm für Wera

Splitsreen, Format 9 x 40 x 40cm, Canvas Deep Edge

RS 07.2014

Die "Cimetière de Bateaux" der Bretagne

Eines hat mich – bei inzwischen 9 Reisen nach "Breize" – immer wieder aufs Neue fasziniert: die vielen Schiffswracks, die an der unendlich langen bretonischen Küste überall zu finden sind. Gesammelt auf den "Cimetière" oder vereinzelt, oft fast unsichtbar, am Ufer. Besonders reizvoll ist dabei der Wechsel der Gezeiten – im Norden stärker als im Süden – der aus lieblichen Küstenstreifen Mondlandschaften macht, in denen die Schiffe/Boote dann unbrauchbar auf dem Trockenen liegen.

 

Zwei sehenswerte Beispiele, beide auf der bizarr-schönen Crozon Halbinsel: Camaret und St. Drieux gegenüber der Reede von Brest. Während im bekannten Badeort Camaret die Wracks seit vielen Jahren "gepflegt" und so erhalten werden, dass sie als Touristen-Attraktion eine fotogene Kulisse im Hafen bilden, verrotten die Schiffe in St. Drieux abseits aller Ausflugsrouten unbemerkt vor sich hin. Ohne den Tipp unseres Guite-Vermieters Christoph hätten wir diese versteckte Location weder gekannt noch gefunden. Keine Ufer-Promenade, keine Cafés, keine (anderen) Touristen – nur wir 3 und ein paar Angler, die auf der Suche nach den begehrten Sandwürmern den kompletten Ebbe-Strand "umpflügten". Und natürlich die vielen ehemals stolzen Fischerboote und Segeljachten oder Hochseeschlepper, die kreuz & quer in der Bucht herumlagen. Ein Fest für Fotograf und Kamera.

 

 

Grafische "Fingerübungen" im Adobe Illustrator

Bretagne
Venedig
Lago di Garda
Bretagne
Bretagne
Roussillon

Kleine Fluchten

... und das kam so: weisse Leinwand, Künstler davor – bereit, etwas zu "erschaffen". Es sollte fröhlich-farbig werden, besser also vorher den Overall überziehen. Allerdings lag der in der hintersten Schrankecke und war längere Zeit nicht zum Einsatz gekommen. Trotz erster Bedenken unternahm ich den Versuch eines "Einstiegs". Vergeblich. Das Ding wollte nicht über die Hüfte. Hatten gutes Essen&Trinken in Kombination mit zu wenig Bewegung etwa Spuren hinterlassen? Musste wohl. Was tun?

 

Ohne lange zu überlegen, nagelte ich das – nun ziemlich nutzlose – Teil auf die noch unberührte Leinwand, packte satte Farben dazu, verfeinerte das Ganze mit ein paar passenden Utensilien, setzte meine Signatur drunter und fertig war die Frustbewältigung.

 

The Escape.

Format 100 x 100 cm, Canvas Deep Edge, Collage, Acryl, Mischfarben

RS 2008

 

 

"Little Treasures"

... so die Bezeichnung für das Projekt, bei dem Kisten, Kästen, Schatullen und Schubladen herausgenommen, ausgeleert, die Inhalte geordnet arrangiert und schließlich fotografiert wurden. Resultat ist eine Serie von 15 Stills mit über die Jahre gesammelten Gegenständen, die meist scheinbar thematisch nichts miteinander gemein haben, aber doch irgendwie zusammengehören – zumindest für den Sammler. Die Gegenstände: banal, skuril, unnütz, vergessen, irgendwo gefunden – fast jeder hat wahrscheinlich solche "Kramkisten" in den hintersten Ecken und Schubladen seiner "Behausung", die auf Wiederentdeckung und Beachtung warten, sei es auch nur für einen kurzen Moment. Dann bleiben sie (meistens) da, wo sie sind oder werden entsorgt.

 

Meine "kleinen Schätze" sind in ihren Behältnissen geblieben, vielleicht etwas durcheinander gewirbelt worden, aber nach wie vor existent. Auspacken werde ich sie so schnell nicht mehr.

The Sound of my Life

Wie bei der Fotografie änderte sich auch im audiophonen Bereich die Transfertechnik und die Tonträger wurden digitalisiert. Kein Grund für mich als Sammler/Bewahrer, meine üppige Vinylsammlung mit herrlichen, großformatigen Covern und Texten, die noch ohne Lupe lesbar sind, aufzulösen. Auch wenn ich nur noch hin und wieder eine der knisternden, erinnerungsbeladenen schwarzen Scheiben auf den Plattenteller lege, gehören die ca. drei Meter Regal fest zum Ambiente. Musik gehört zum Leben – früher wie heute – und demzufolge ist sie untrennbar mit vielen Erfahrungen/Erlebnissen verbunden. Grund genug, alle Cover mal zu einem großen Splitscreen zusammenzuführen. 

Müßig zu erwähnen, dass viele (wenn nicht die meisten) LP's ebenfalls als CD-Version vorliegen (zum Blättern und lesen nimmt man dann möglichst das Original) und natürlich auf dem iPod – Mobilität muss sein.

Wie auch immer: Auf meinem visuellen "Sound of Life" ist das Wesentliche auf einen Blick erkennbar.

 

 

Every Picture tells a Story

Um meiner Passion für die Unikat-Fotografie ein kleines "Denkmal" zu setzen, habe ich meine Polaroid-Kiste geplündert und die Auswahl vieler Jahre kollagiert. Dazu gehören private Schnappschüsse, aber auch jede Menge sog. Stand-Shots aus den Zeiten, als Layouts noch gescribbelt oder gerendert wurden. Computer gab's ausschließlich in der Industrie, Grafikprogramme waren noch nicht erfunden, Bild-Stocks wurden über Kataloge verteilt und bevor Sujets für die Werbe-Kampagnen fotografiert wurden, mussten sie aus Kostengründen in den meisten Fällen gelayoutet werden. Um nicht alles Freihand zeichnen zu müssen, wurden die Szenen kurzerhand mit Kollegen nachgestellt und mit der Polaroid Land, später der SX 70 geshootet. Wenige Minuten später hatte man dann eine brauchbare Scribble-Vorlage. Heute clickt man irgendeine der zahlreichen Suchmaschinen an (oder direkt die Fotostocks), zieht sich das gewünschte Image ins Layout. Per Photoshop wird es noch bearbeitet, composed, umgefärbt – fertig ist das Sujet. Aber leider auch wenig interpretierbar. Das Bild steht fest, entweder es gefällt oder nicht. Bei den gescribbelten Layouts war bei der späteren Fotoproduktion noch alles möglich, um das Resultat unikat zu machen. Tempi passati. Die digitalen Zeiten sind nicht mehr anzuhalten. Polaroid und die meisten Hersteller analoger Techniken sind vom Markt verschwunden, Kodak kämpft seit Jahren ums Überleben. 

Trotzdem gibt es eine immer größer werdende Anzahl von Analog-Fans, die den "digitalen Schrott" ablehnen und zur Unikat-Fotografie zurückkehren – ähnlich den Vinyl-Liebhabern, die dafür sorgen, dass wieder schwarze Scheiben für den Plattenteller gepresst werden.

The Choice

... und es geschah im Jahre 2010 ... gute Geschichten fangen meist so oder so ähnlich an – und das hier ist eine. Als ich in urlaubstimmungsvoller und dementsprechend relaxter Umgebung auf Lanzarote gefragt wurde, was ich von einer Heirat halten würde, war meine Überraschung groß, meine Reaktion altersentsprechend erfreut verhalten. 

 

Zurück in München, musste das erstmal irgendwie auf Papier, Leinwand, Karton – was auch immer – verarbeitet werden. Und so entstand "The Choice", ein Mash up von Ja's und Nein's, zusammengefügt zu einem großen Rechteck.

 

Natürlich gab's mehr Ja's als Nein's, was aber erstmal durch sofortiges Durchzählen von Frau&Tochter festgestellt werden musste. Eine Entscheidung stand auch niemals wirklich zur "Wahl", sie (die Positive) war lange vorher gefallen. 

 

The Choice – Ja – Nein

Format 120 x 130 cm, Karton, Collage, diverse Techniken

RS 02.2011

 

 

Emma's Wiesn Souvenirs

10 Jahre lang flogen während oder kurz nach dem Münchener Oktoberfest diese knallbunten Fantasiegeschöpfe durch Emma's Zimmer. Teuer, aber relativ kurzlebig, schrumpften sie nach einigen Tagen leblos in sich zusammen und hätten dann normalerweise entsorgt werden müssen. Heliumgefüllt, mussten sie umweltpolitisch korrekt vielleicht sogar in den Sondermüll. Wie auch immer – Grund genug, über ein artifizielles Recycling nachzudenken. Und so entstand die Wiesn-Souvenir-Reihe. Konzept war, diese am Anfang äusserst flüchtigen Fluggeräte (nicht umsonst werden sie den Kindern am Handgelenk festgebunden) "einzufangen, festzuhalten, nicht loszulassen, einzusperren". Die Nemos, Mickey Mäuse, Flipper u.ä. wurden dementsprechend festgeklebt und "eingeschnürt", bekamen aber zumindest ein artengerechtes Umfeld. Die Formate waren dabei so unterschiedlich wie die Exponate selbst, ein Delphin brauchte mehr Freiraum als ein Marienkäfer.

 

Die Serie ist beendet. Nach der Oktoberfestwiesn 2015 verloren die bunten Flugkörper ihre Faszination.

 

 

Pas des Deux

1978 – die Urlaubsmobile der Wahl bei den 18-28jährigen waren in dieser Zeit Reisebusse, Interrail oder – für heutige Verhältnisse – winzige, komfortfreie Autos wie der VW-Käfer. Hauptsache 4 Räder, relativ geringer Spritverbrauch, kaum reparaturanfällig und Platz für Beifahrer/in, Zelt, Gitarre und ein paar Wechselklamotten. Die Autobahnen waren ausschließlich 2spurig, die Raststätten Sanifair-frei und die Fahrgeschwindigkeit moderat. Spanien – die Mittelmeerküste von Rosas im Norden direkt hinter der Grenze bis runter nach Algeciras gegenüber von Gibraltar – war mit seinen breiten Stränden und den gigantischen Discotheken das Urlaubsziel. 

Wir starteten in Köln, fuhren bis zur völligen Übermüdung bis kurz vor die französische Mittelmeerküste bei Sète, parkten den blauen Käfer in stockdunkler Nacht am Straßenrand und schliefen erschöpft auf unseren Sitzen ein. 

Kaum hatte ich am nächsten Morgen die Augen auf, fiel mein Blick auf eine Abbruchhütte, keine 10 Meter entfernt – die noch stehende Wand bedeckt von Fragmenten eines großen Plakats des Zirkus Pinder. Damals tourten sehr viele dieser Familienunternehmen durch Frankreich und tatsächlich trifft man sie bis heute in den Touristenorten an den Küsten immer noch an. 

Der Plakatrest hatte sich bereits zu großen Teilen von der Wand gelöst und mein Entschluss stand sofort fest: dieses wunderschöne Exemplar "handgemachter" Grafik musste noch mit – trotz begrenztem Stauraum. Wir fuhren weiter bis zur Lagune bei Port Leucate, putzten uns die Zähne mit Salzwasser (!) und nahmen unser erstes Bad im Mittelmeer. Spanien war nicht mehr weit.

 

Nachdem das "Souvenir" jahrelang im Originalzustand an Wände diverser Wohnungen "gepinnt" wurde, habe ich es 1999 endlich "veredelt" und als Splitscreen in 9 Rahmen aufgeteilt. 

 

Pas des Deux – Port Leucate '78

Format Splitscreen 9 x 50 x 60 cm (Format gesamt 150 x 180 cm),

Print-Kollage, Alurahmen

Künstler unbekannt, RS 07.1999

 

 

 

 

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